Orkantief Manja: Wie der Sturm eine ganze Kreuzfahrtwoche umgeworfen hat
Oslo gestrichen, Kristiansand gegen Kopenhagen getauscht, Abfahrten um zwölf Stunden verschoben. Wir haben nachgesehen, wo die betroffenen Schiffe tatsächlich liegen — und erklären, worauf Gäste Anspruch haben.
26. Oktober 2026 ·
Erst Sturmtief Luise, dann Orkantief Manja: An der Nordseeküste wurden für das Wochenende Böen um 100 Stundenkilometer gemeldet. Für Kreuzfahrtschiffe heißt das nicht in erster Linie Seegang — es heißt, dass Hafenmanöver unmöglich werden und Behörden Fahrwasser sperren.
Das Ergebnis war eine Woche, in der kaum ein Schiff in der Nordsee seinen Plan halten konnte.
Wo die Schiffe heute tatsächlich liegen
Wir zeichnen die Positionen fortlaufend auf. Der Stand von Montagmittag:
- AIDAluna liegt in Kopenhagen — vier Kilometer vom Hafenzentrum, null Knoten. Im Plan stand Kristiansand.
- AIDAnova liegt in Oslo, zwei Kilometer vom Zentrum. Sie war laut Bordinformation rund zwölf Stunden früher dort als vorgesehen.
- AIDAperla liegt vor Kristiansand.
- Mein Schiff Relax ist mit zwölf Knoten in der Deutschen Bucht unterwegs, knapp 50 Kilometer vor Cuxhaven.
- Mein Schiff 3 liegt fest in Bremerhaven — dort nach dem Zusammenstoß beim Auslaufen.
Was bei den einzelnen Reisen passiert ist
Die Mein Schiff Relax traf es doppelt. Auf der Kurzreise vom 21. bis 25. Oktober fiel Oslo aus — das einzige Ziel der Fahrt, aus der damit eine reine Nordseereise wurde. Das Schiff kehrte früher nach Hamburg zurück, um einer Elbsperrung für große Schiffe zuvorzukommen. Die folgende Reise konnte dann nicht wie geplant am Sonntagabend um 19 Uhr auslaufen, sondern erst am Montagmorgen um 7 Uhr. Southampton entfiel.
Bei AIDA zog sich die Kette durch mehrere Schiffe: AIDAperla fährt eine geänderte Norwegenroute, AIDAnova erreichte Oslo deutlich früher, AIDAluna tauschte Kristiansand gegen Kopenhagen. Die Änderung bei AIDAluna war schon am Vortag im Hafenfahrplan von Kristiansand ablesbar, bevor die Reederei sie bestätigte.
Auch die Mein Schiff 3 hatte schon vor dem Zusammenstoß gestrichen: Le Havre fiel aus, das Schiff kehrte früher nach Bremerhaven zurück. Dass es dort dann beim nächsten Auslaufen zur Kollision kam, gehört zur selben Wetterlage.
Warum Reedereien so früh umplanen
Der Seegang ist selten der Grund. Moderne Kreuzfahrtschiffe fahren auch bei schwerer See sicher, es wird nur ungemütlich. Entscheidend sind drei andere Dinge.
Erstens das Anlegen: Ein Schiff mit großer Seitenfläche lässt sich bei Starkwind nicht mehr kontrolliert an eine Pier bringen. Zweitens die Fahrwasser: Behörden sperren Reviere wie die Elbe für große Schiffe, und daran führt kein Weg vorbei. Drittens die Zeitpläne — wenn ein Hafen ausfällt, verschiebt sich alles Folgende, und irgendwann ist der Rückweg zum Starthafen das Einzige, was noch sicher planbar ist.
Deshalb wird meist Tage vorher entschieden, nicht in der Nacht davor.
Worauf Gäste Anspruch haben
Ein gestrichener Hafen ist kein Reisemangel, wenn das Wetter ihn unmöglich macht. Höhere Gewalt entlastet den Veranstalter, eine Erstattung gibt es dafür in aller Regel nicht.
Anders sieht es aus, wenn die Reise insgesamt erheblich beeinträchtigt ist. Fällt bei einer Reise mit nur einem Ziel genau dieses Ziel aus — wie bei der Mein Schiff Relax, deren einziger Anlauf Oslo war — kann eine Minderung in Betracht kommen. Das ist eine Einzelfallfrage und hängt davon ab, was vertraglich zugesagt war.
Bereits gebuchte Landausflüge werden erstattet, wenn sie nicht stattfinden. Hafengebühren, die mit dem Reisepreis abgerechnet wurden, ebenfalls — viele Reedereien schreiben sie automatisch dem Bordkonto gut.
Wer anreist, sollte vor der Abfahrt die Bordinformation prüfen. Eine um zwölf Stunden verschobene Abfahrt bemerkt man besser zu Hause als am Terminal.